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Zeittafel der Zauberkunst

Aus Zauber-Lexikon
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Die Zeittafel der Zauberkunst ist ein Versuch, zaubergeschichtliche Ereignisse, die zur Weiterentwicklung der Zauberkunst führen, chronologisch festzuhalten.

Siehe dazu auch Lorenz Schär in Magische Welt, Heft 3, 64. Jahrgang, 2015: Zauberkunst hat kein Barock, Seite 108.

Protagonisten

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Johann Nepomuk Hofzinser Jean Eugène Robert-Houdin
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Ludwig Döbler Fredo Marvelli

Die Anfänge

Ca. 2500 vor Chr. Geburt

Der Zauberkünstler Dedi zeigt Zauberkunststücke am Hofe des Köngis Cheops.

1584

Reginald Scot, ein englischer Edelmann, veröffentlicht ein Buch, in dem zum ersten Mal Zauberkunststücke detailliert beschrieben werden: The Discoverie of Witchcraft.

1667

Das Buch Hocus Pocus Junior von Eias Piluland erscheint in Deutschland. Es ist die erste deutsche Übersetzung des Orginials von 1635: Hocus Pocus Junior: The Anatomie of Legerdemain.


Das Gauklertum

Graf Cagliostro

um 1740

Der Hofnarr und Taschenspieler Joseph Fröhlich (1694–1757) wird bekannt. Er tritt unter anderem am Hofe von August dem Starken auf.

um 1780

Der „Graf“ Cagliostro (1743–1795) tritt als Zauberkünstler auf, wird aber auch als Scharlatan entlarvt.

um 1790

In einem Katalog von Bestelmeier wird zum ersten Mal ein Zauberkasten erwähnt

um 1830

Bartolomeo Bosco (1793– 1863) verzaubert sein Publikum. Er gilt als einer der ersten wahren Taschenspieler, der seine Zuschauer nicht betrügerisch täuschen, sondern unterhalten will.

Die Bühnenkunst

um 1830

Der österreichische Zauberkünstler und Wissenschaftler Ludwig Döbler (1801–1864) verzaubert die Wiener Gesellschaft. Sein Lieblingskunststück ist das Herbeizaubern von Blumen. Seine begleitenden Worte „Hier ein Sträußchen, da ein Sträußchen, noch ein Sträußchen“ werden zu einer beliebten Redensart.

1845

Der Franzose Jean Eugène Robert-Houdin (1805–1871) eröffnet das erste Zaubertheater und lädt das Publikum zu seiner „Soiree Fantastique“ ein. Dabei verzichtet er bewusst auf komplizierte Bühnenaufbauten.

1850

In Österreich begründet der Wiener Zauberkünstler Johann Nepomuk Hofzinser (1806– 1875) in den Wiener Salons seine „Stunden der Täuschungen“.

um 1850

Die ersten Zauberhändler etablieren sich. Dazu gehören: E. Oscar Lischke, Carl Willmann, und Conradi Horster.


Die Kommerzialisierung

1895

Carl Willmann (1848–1934) gibt die erste Zauberzeitschrift der Welt heraus. Sie belebt die Zauberkunst 10 Jahre lang: Die Zauberwelt.

1895

Conradi Horster

Einige Monate später gibt der Berliner Zaubergerätehersteller Conrad Horster (1870–1944) ebenfalls eine Zauberzeitschrift heraus: Der Zau­berspiegel.

1895

Die US-amerikanische Zauberzeitschrift Mahatma erscheint.

1899

In Hamburg wird der erste Zauberverein von Carl Willmann gegründet: "Verein zur Förderung der magischen Kunst".

1912

Karl Schröder gründet den heute noch existierenden Zauberverein "Magischer Zirkel von Deutschland".

Das Goldene Zeitalter

1920

Alois Kassner (1887–1970) baut nach 1918 eine große Zauberschau auf. Sein Hauptkunstsück, das ihn schlagartig berühmt macht, ist das Verschwindenlassen ei­nes lebenden Elefanten. Howard Thurston (1869–1936) tritt mit großen Zaubershows in den USA auf.

1930

Fredo Marvelli (1903–1971) entwickelt eine völlig eigenständige Art der Zauberpräsentation. Er verzichtet auf große Gerätschaften, kleidet seine Kunststücke in intelligente Texte ein und lässt zu vielen Kunststücken klassische Musik spielen. Fredo Marvelli ist der erste deutsche Zauberkünstler, der in Konzertsälen auftritt, in denen noch nie zuvor Zauberer spielten. Marvelli nimmt sich des Erbes Hof­zinsers an und führt einige dessen Kunststücke in seinem Programm vor.


Das neue Zeitalter

1948

Der Dachverband von Zaubervereinen "FISM" (Fédération Internationale des Sociétés Magique) wird gegründet. Seit 1952 veranstaltet die FISM im Turnus von drei Jahren Weltkongresse.

1949

Der ehemalige Filmproduzent Helmut Schreiber nennt sich Kalanag (1903–1963) und stellt unmittelbar nach dem zweiten Weltkrieg eine große Zauberrevue zusammen, mit der er durch Europa bis nach Amerika tourt. Sein geflügeltes Zauberwort „Sim Sala Bim“ entleiht er bei dem ame­rikanischen Kollegen Dante.

W. Geissler - Werry, Foto. W. Witt

1950

Der deutsche Werbefachmann Ludwig Hanemann (1907– 1996) orientiert sich an Fredo Marvelli und führt dessen Tradition, in Theatern aufzutreten, nicht nur fort, sondern entwickelt darüber hinaus einen neuen Stil. Er teilt seine Programme in vier unterschiedliche Akte und tritt jeweils mit einem anderen Charakter auf. Er beginnt als Eulenspiegel, wird dann zum Grafen Cagliostro, um sich nach der Pause als Münchhausen zu zeigen und zum Schluss als er selbst unter seinem Bühnennamen Punx.

1952

Der Dürener Zauberkünstler und -händler W. Geissler-Werry (1925–2000) beginnt mit der Herausgabe der Zauberzeitschrift Magische Welt.

Zauberkunst im Fernsehen

Ab 1950

Das Fernsehen entdeckt die Zauberkunst. In Deutschland wird als erster der Zauberkünstler Punx mit rund 40 Folgen bekannt.

In England erlebt man in den 1950ern David Nixon, später (ab 1980) Paul Daniels.

In den USA wird in den 1960er Jahren besonders Mark Wilson populär, in den 1970ern Doug Henning und ab den 1980ern David Copperfield, später auch David Blaine und Criss Angel.

In den 1990er Jahren zeigt Wittus Witt über drei Jahre lang interaktive Zauberroutinen live im Fernsehen.


Zauberkunst im Wandel

1950

Punx (1907–1996) erfindet einen neuen Stil in der Zauberkunst. Er teilt sein Programm in vier Akte ein.

1960

Alexander Adrion (*1923-2013) führt die Marvelli-Tradition fort und tritt mit seinen „Kammerspielen des Scheins“ in ausgesuchten Kreis­en auf. 1968 trifft er mit Heinrich Böll zusammen. Aus den Gesprächen entsteht das Buch „ZaubereiZaubrei. Das Erlebnis der Magie in Wort und Bild“, erschienen im Walter-Verlag. Es folgen die Bücher „Die Kunst zu zaubern“ und „Adrions Zauberkabinett“ (DuMont Verlag).


Die Erneuerung der Zauberkunst

1970

Die deutschen Zauberer Siegfried & Roy gehen nach Las Vegas und begründen in dieser Stadt mit ihren Engagements im Stardust (1970-1973) und danach (1974) im MGM-Hotel einen regelrechten Zauberboom.

1974

Doug Henning (1947–2000) in den USA tritt in „Hippie“-Kleidung auf und prägt einen neuen Stil in der Zauberkunst.

1978

Der in Deutschland lebende Zauberkünstler Igor Jedlin eröffnet das erste Zaubertheater nach dem Zweiten Weltkrieg in Berlin, Zaubertheater Igor Jedlin.

1981

Die ARD strahlt eine Dokumentation über die Zaubergeschichte „Die erklärbaren Wunder“ von Oskar Rombar aus.

1984

Der WDR strahlt einen 2-stündigen Film unter dem Titel „Die Kunst der Täuschung“ aus, in dem die Geschichte der Zauberkunst lebendig dargestellt wird. Der holländische Zauberkünstler Flip Hallema führt mit seinem Kollegen Wittus Witt durch die Sendung.

1993

Das Trude Kollmann-Theater „Die kleine Freiheit“ in München präsentiert zum ersten Mal drei Wochen lang ein Zauber-Theaterstück, „Schöner Schein“, und belebt damit erneut die Theater-Zauberkunst.

1993

Der amerikanische Zauberkünstler David Copperfield (*1956) geht zum ersten Mal in Deutschland auf Tournee, die ein sensationeller Erfolg wird. Er bringt sich und die Zauberkunst ins Gespräch.

1993

Im WDR-Hörfunk beginnt eine zweijährige Zauberserie „Zaubern im Hörfunk“ mit Wittus Witt

1994

Die Münchner Zauberwochen werden von Thomas Fraps und Gaston ins Leben gerufen und werden seitdem jährlich jeweils eine Woche lang in einem Theater in München veranstaltet.

1993 bis 1997

Das WDR-Fernsehen beginnt, eine 14-tägige Zauberserie unter dem Titel „Kuk-Tele-Zauberei“ auszustrahlen.

1995

Der Fernsehsender “arte” widmet der Zauberkunst einen Themenabend mit Paul Daniels, Volker Huber, Juan Tamariz und Wittus Witt: Der magische Effekt

1996

  • Der amerikanische Zauberkünstler David Blaine (*1973) zeigt eine neuartige Form der Fernsehzauberkunst: Es geht in erster Linie um die Reaktionen der Zuschauer, die wiederholt gezeigt werden, nachdem Blaine ein Kunststück auf der Straße vorgeführt hat.
  • Der Zauberkünstler Topas geht mit seinem Programm "Magic and More" auf Tournee und knüpft damit als erster Deutscher nach 1960 wieder an die Tradition der großen Illusionsshows an.

1997

Die Ingolstädter Zaubertage beginnen und werden alljährlich von Sven Catello organisiert.

2000

  • Das Theater Ravensburg präsentiert den Zauberkünstler Markus Zink mit einem völlig neuartigen Zauber-Theaterstück: „Schrott“. Es wird bis zum gegenwärtigen Zeitpunkt (2015) mehrmals im Jahr aufgeführt.
  • Topas geht mit seiner zweiten Zaubershow auf Tournee: Magic Affairs.

2000

Die Zauberkünstler Frascatelli & Tre Face gründen das Zaubertheater Zaubermühle Merklingen bei Stuttgart.


Das 21. Jahrhundert

2002

Der deutsche Zauberkünstler Desimo begründet seinen "Desimo Spezial Club" im Hannoveraner Kinosaal des Apollo. Hier treten vermehrt Zauberkünstler mit Solo- aber auch mit 2-Stunden-Programmen auf.

2003

Der deutsche Zauberkünstler Helge Thun führt durch vier Sendungen "Thunfrisch" im Südwest Fernsehen, bei der die Zauberkunst im Mittelpunkt steht.

2004

Das Zauberschloss Schönfeld bei Dresden wird eingeweiht. Es bietet Zauberprogramme und lässt ein Zaubermuseum entstehen.

2006

Cody Stone (*1987) beginnt im Disney-TV vier Zauber-Staffeln mit jeweils 26 Folgen unter dem Titel „Magic At­tack“.

2008

Der Sender Pro7 startet die Serie „The Next Uri Geller“ und trägt dazu bei, dass die sogenannte Mentalzauberei (Zauberkunststücke mit Gedanken und Gedachtem) populär wird.

2009

In Deutschland entstehen ab 2009 mehrere Close-up-Zauber­thea­ter: „Wundermanufaktur“ mit Stephan Kirschbaum in Nürnberg, „Strotmanns Magic Lounge“ mit Thorsten Strot­mann in Stut­tgart, „Krist und Münch Table Magic Theater“ mit Alexander Krist und Christian Münch in München und „Black Rabbit Magic Theater“ mit Remo Kell in Frankfurt/M.

2010

In Wien eröffnet das erste öffentliche Museum für Zauberkästen seine Tore. Es wird von Manfred Klaghofer gebaut und geführt.

2010

Der Fernsehsender MTV beginnt, Zauberszenen mit dem amerikanischen Zauberkünstler Criss Angel (*1967) auszustrahlen.

2012

In Hamburg wird die erste Galerie für Zauber und Kunst, Galerie-W, eröffnet. Sie bietet viermal im Jahr wechselnde Ausstellungen zum Thema Zauberkunst.

Zum ersten Mal schaffen es deutsche Zauberkünstler große Hallen zu bespielen und nahezu oftmals ausverkauft zu sein. Den Ehrlich Brothers gelang es, am 13. Juli 2012 vor vollbesetzter TUI-Arena 10 000 Zuschauer. Seit dem gehen Sie alljährlich auf ausgedehnte Tourneen durch Deutschland, Österreich und Schweiz. Zuletzt (2016) traten Sie vor über 40 000 Personen auf.[1][2]

Nachweise

  1. Fislage, Robert: Mutige Inszenierung in: Magische Welt, Heft 5, 61. Jahrgang, 2012, Seite 198 f.
  2. Interview mit Chris Ehrlich, in:Magische Welt, Heft 6, 2012, 61. Jahrgang, 2012, Seite 198 ff.