Joe Davis
Joe Davis war ein US-amerikanischer Glücksspieler und gelegentlicher Bühnenkünstler, der in den späten 1880er- und frühen 1890er-Jahren sowohl in der Glücksspielszene von San Antonio (Texas) als auch im Umfeld reisender Varieté- und Zaubervorstellungen in Australien und Neuseeland belegt ist. Er trat zeitweise als Komiker und Sänger auf und war außerdem Mitglied einer Unterhaltungstruppe mit amerikanischem Repertoire. Sein Geburtsjahr ist nicht überliefert.
Leben und Tätigkeit
- Glücksspieler in San Antonio
Joe Davis ist vor allem durch eine ausführliche Schilderung in dem Buch The Unsinkable Titanic Thompson von Carlton Stowers belegt, das sich mit dem professionellen Glücksspieler Titanic Thompson (Clarence Ivory Cullen) befasst. Dort wird Davis als einer der bekanntesten und farbenprächtigsten Glücksspieler San Antonios beschrieben. Er galt als körperlich imposante Erscheinung, dessen Spielverlauf extrem schwankte – entweder gewann er große Summen oder verlor innerhalb kurzer Zeit sein gesamtes Vermögen.
Eine für ihn typische Eigenheit war das Mitführen eines Weckers zu Pokerrunden. Vor Spielbeginn erklärte Davis regelmäßig, er müsse zu einer bestimmten Uhrzeit nach Hause zurückkehren, um nicht von seiner Ehefrau ausgesperrt zu werden. Der Wecker diente ihm als selbstauferlegte Spielbegrenzung: Bei Gewinnen konnte er rechtzeitig aussteigen, bei Verlusten verhinderte er damit einen vollständigen finanziellen Ruin.
Diese Gewohnheit wurde ihm jedoch zum Verhängnis, als Titanic Thompson gezielt versuchte, Davis von dieser Praxis „zu kurieren“. In einer legendär gewordenen Pokerrunde verlor Davis nacheinander sein Bargeld, Haushaltsgegenstände, seine Zahnprothese und schließlich den Wecker selbst an Thompson. Der Vorfall wurde innerhalb der Glücksspielszene San Antonios weithin kolportiert und galt als exemplarisches Lehrstück für die Härte professionellen Glücksspiels.
- Bühnenauftritte und Varietékarriere
Unabhängig von seiner Tätigkeit als Glücksspieler ist ein Joe Davis auch als Bühnenkünstler im australisch-neuseeländischen Varietébetrieb der frühen 1890er-Jahre dokumentiert. Er gehörte zur Gruppe der sogenannten „American Trans-Pacifiques“, die 1891 als Begleitensemble in der Show des Zauberkünstlers Professor Anderson auftraten. In zeitgenössischen Berichten werden als Mitglieder Dennis Holme, Wal Durant und Joe Davis genannt.
Davis trat dabei mit Gesangs- und Sprechbeiträgen auf. Nach der Auflösung oder Umstrukturierung der Gruppe erhielt er zeitweise Einzelankündigungen, unter anderem unter den Titeln „The Modern Demosthenes“ und „The Phunniosities of Mr Joseph Davis“. Kritiken fielen jedoch überwiegend negativ aus; insbesondere ein Auftritt in Adelaide wurde von der Presse als misslungen beurteilt, woraufhin Davis aus dem offiziellen Programm gestrichen wurde, wenngleich er offenbar weiterhin organisatorische Aufgaben innerhalb der Truppe übernahm.
Später wurde er erneut als „lustiger Komiker“ im Umfeld von Andersons Tourneen eingesetzt, unter anderem in Westaustralien. Seine Bühnenlaufbahn blieb jedoch episodisch und stand offenbar hinter seiner Tätigkeit als Glücksspieler zurück.
- Geburtsjahr und Identität
Ein Geburtsjahr von Joe Davis ist bislang nicht belegt. Weder die Glücksspielberichte aus Texas noch die Theater- und Pressemeldungen aus Australien und Neuseeland enthalten altersbezogene Angaben. Aufgrund seiner aktiven Tätigkeit in den späten 1880er- und frühen 1890er-Jahren kann angenommen werden, dass er spätestens in den 1860er-Jahren geboren wurde; diese Einordnung bleibt jedoch spekulativ und ist nicht quellenmäßig abgesichert.
Ebenso ist nicht eindeutig geklärt, ob der Glücksspieler aus San Antonio und der Bühnenkünstler identisch sind. Die zeitliche Überschneidung, der amerikanische Hintergrund sowie der Umstand, dass beide als markante, reisefreudige Persönlichkeiten beschrieben werden, sprechen für eine mögliche Identität, ein eindeutiger Beweis liegt jedoch nicht vor.
Rezeption
Joe Davis ist heute vor allem als Randfigur der Glücksspielgeschichte bekannt, deren Bedeutung weniger in eigenen Leistungen als in ihrer Rolle innerhalb überlieferter Anekdoten liegt. Seine Darstellung in der Literatur über Titanic Thompson hat ihm einen festen Platz in der Erzähltradition des professionellen Glücksspiels des späten 19. Jahrhunderts gesichert. Als Bühnenkünstler hingegen blieb er weitgehend erfolglos und wurde von zeitgenössischen Kritikern kaum positiv wahrgenommen.
Einordnung und Quellen
Dieser Artikel wurde mit Hilfe von KI aus Angaben in dem Buch The Unsinkable Titanic Thompson von Carlton Stowers, 1982, entnommen.