Über 35 Millionen Aufrufe seit März 2014!
Sie vermissen eine spezielle Biografie oder einen Artikel zu einem besonderen Thema? Dann helfen Sie bitte und schicken Sie uns eine E-Mail.
Black Herman
Black Herman (* 6. Juni 1889 in Amherst, Virginia; † 15. April 1934 in Louisville, Kentucky; eigentlich Benjamin Herman Rucker) war ein US-amerikanischer Zauberkünstler, Unternehmer und Entertainer. Er gehörte zu den bekanntesten afroamerikanischen Bühnenkünstlern seiner Zeit und trat insbesondere in den 1920er- und frühen 1930er-Jahren mit großem Erfolg in den Vereinigten Staaten auf.
Leben
Über Hermans Kindheit und Jugend sind nur wenige gesicherte Informationen bekannt; zahlreiche später verbreitete Darstellungen enthalten stark ausgeschmückte oder legendenhafte Elemente.
In jungen Jahren arbeitete Rucker unter einfachen Bedingungen und war zeitweise als Arbeiter und Kleinunternehmer tätig. Später absolvierte er eine kaufmännische Ausbildung, die ihm den Aufbau eigener geschäftlicher Aktivitäten erleichterte.
Black Herman wurde 44 Jahre alt.
Karriere als Zauberkünstler
Unter dem Künstlernamen Black Herman entwickelte sich Rucker zu einem der erfolgreichsten afroamerikanischen Zauberkünstler seiner Epoche. Seine Programme kombinierten klassische Bühnenillusionen mit Elementen der Unterhaltung, Vorträgen, spiritistischen Darbietungen und psychologisch geprägten Präsentationen.
Zu seinem Repertoire gehörten unter anderem Entfesselungskünste, scheinbare Materialisationen von Gegenständen und Tieren, Levitationen sowie Durchdringungseffekte. Darüber hinaus präsentierte er klassische Großillusionen wie das Zersägen einer Person oder das Durchstoßen von Kästen mit Schwertern.
- Weitere bekannte Effekte seines Programms waren
- die Levitation einer Person mit anschließendem Verschwinden (ähnlich der Illusion „Asrah“)
- spektakuläre Entfesselungen aus Seilen und Fesseln
- die Produktion von Tieren und Gegenständen aus dem Nichts
- die Verwandlung von Substanzen (z. B. scheinbare Umwandlung von Nahrung in andere Stoffe)
Besondere Aufmerksamkeit erregte seine Version des Effekts „Buried Alive“, bei dem eine Person in Trance versetzt, in einem Sarg vergraben und später wieder lebend hervorgeholt wurde. Diese Darbietung wurde von zahlreichen Zeitgenossen aufgegriffen und imitiert. Black Herman trat häufig in Theatern, Kirchen und großen Versammlungshallen auf. Bei besonders großem Publikumsandrang nutzte er Zeltbauten, um die Nachfrage zu bewältigen. Er gastierte in zahlreichen Städten, darunter New York, Chicago, Philadelphia und weitere Zentren im Osten und Süden der Vereinigten Staaten. Ein Höhepunkt seiner Karriere war eine längere Engagementserie im Liberty Hall in Harlem (New York), wo er über Wochen hinweg vor tausenden Zuschauern auftrat und teilweise ausverkaufte Vorstellungen gab. Er inszenierte sich selbst offensiv als „größter Zauberkünstler der Welt“ und kombinierte seine Programme mit Elementen des Bauchredens und der Tierimitation.
Unternehmerische Tätigkeit
Neben seiner Bühnenkarriere war Black Herman auch unternehmerisch tätig. Er betrieb unter anderem einen Verlag sowie eine Druckerei, in der Programme, Broschüren und weitere Druckerzeugnisse hergestellt wurden. Darüber hinaus vertrieb er eigene Produkte, darunter Kräuterpräparate, sogenannte „Heilmittel“ sowie verschiedene Glücksbringer und Amulette.
Zu seinen bekanntesten Produkten gehörte ein Tonikum („Herman’s Wonderful Body Tonic“), das er im Rahmen seiner Tourneen vermarktete. Er beschäftigte zahlreiche Mitarbeiter, darunter Büroangestellte, Drucker und Bühnenassistenten, und organisierte seine Auftritte als umfangreiches Geschäftsunternehmen. Gleichzeitig engagierte er sich sozial, indem er durch Benefizveranstaltungen Mittel für Kirchen, Schulen und andere Einrichtungen bereitstellte. Publikationen und Lehrtätigkeit
Black Herman veröffentlichte mehrere Bücher und Broschüren, die er vor allem im Umfeld seiner Auftritte vertrieb. Ein bekanntes Beispiel ist das Werk Secrets of Magic, Mystery & Legerdemain, das neben einfachen Kunststücken auch astrologische Deutungen, Trauminterpretationen, Glückszahlen sowie allgemeine Lebensratschläge enthielt.
Darüber hinaus bot er einen Fernkurs zur Zauberkunst an, der als gestuftes Lehrprogramm konzipiert war. Darin betonte er insbesondere die Notwendigkeit intensiver Übung und Vorbereitung, bevor ein Kunststück öffentlich vorgeführt werde. Nach späteren Berichten wurden seine Schriften nicht von ihm selbst verfasst, da er als Analphabet galt. Wahrsagetätigkeit und Beratung
Neben seinen Bühnenauftritten bot Black Herman in seinem Wohnhaus in Harlem persönliche Beratungen an. Dabei nutzte er unter anderem eine Kristallkugel als Hilfsmittel zur Konzentration.
Er selbst erklärte, kein Wahrsager im eigentlichen Sinne zu sein, sondern seine Aussagen auf Erfahrung, Beobachtungsgabe und Menschenkenntnis zu stützen.
Zeitgenössische Berichte heben hervor, dass er ein ausgeprägtes Gespür für menschliches Verhalten besaß. Durch genaue Beobachtung von Körpersprache sowie geschickte Gesprächsführung konnte er Informationen über seine Klienten gewinnen und diese in seinen Beratungen nutzen.
Wirkung und Bedeutung
Black Herman war eine zentrale Figur der afroamerikanischen Unterhaltungskultur der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Seine Auftritte verbanden Zauberkunst mit religiösen, moralischen und praktischen Lebensbotschaften und erreichten ein breites Publikum verschiedener sozialer Gruppen.
Zeitgenössisch wurde er sowohl als außergewöhnlicher Entertainer als auch als geheimnisvolle Persönlichkeit wahrgenommen. Teile seines Publikums schrieben ihm übernatürliche Fähigkeiten zu, während er selbst betonte, dass seine Leistungen auf Übung, Disziplin und Erfahrung beruhten.
Legendenbildung
Ein erheblicher Teil der überlieferten Geschichten über Black Herman – darunter Berichte über angebliche Reisen durch Afrika und Asien, Begegnungen mit mystischen Traditionen oder spektakuläre übernatürliche Fähigkeiten – entstammt populären Veröffentlichungen und seiner eigenen Selbstdarstellung.
Diese Darstellungen gelten heute überwiegend als Teil der bewussten Inszenierung seiner Bühnenfigur und werden von der Forschung nicht als historisch gesichert angesehen.
Tod und Rezeption
Black Herman starb am 15. April 1934 in Louisville, Kentucky.
Nach späteren Berichten wurde sein Tod von Teilen der Öffentlichkeit zunächst als Inszenierung interpretiert, da er für spektakuläre Effekte bekannt war, darunter scheinbare Wiederbelebungen. Große Menschenmengen versammelten sich bei der Aufbahrung seines Leichnams, teilweise in der Erwartung, er könne „von den Toten zurückkehren“. Die enorme Publikumsresonanz führte dazu, dass Besucher teilweise Eintritt zahlten, um den Leichnam zu sehen. Einige versuchten sogar, durch physische Berührung sicherzustellen, dass es sich nicht um eine Täuschung handelte. Nachwirkung
Nach seinem Tod traten mehrere Künstler unter seinem Namen oder Varianten davon auf, darunter „Black Herman the Second“, „Original Black Herman“ oder „Black Herman, Jr.“. Diese Nachahmer konnten jedoch nicht die gleiche Popularität und Wirkung erzielen wie Benjamin Herman Rucker selbst.
Quellen
- Secrets of Magic – Mystery & Legerdemain, Dorene Publishing Co. 1938, im Netzabrufbar
- Jim Haskins, Kathleen Besnon: Conjure Times – Black Magicians in America, 2001, Seite 87 ff.
- Linking Ring, 64. Jahrgang, Heft 2, Februar 1984, Seite 35 ff.