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André Declassan

Aus Zauber-Pedia
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Plakat Sanas, um 1930/40

André Delcassan (* 13. Juli 1907 in Paris; † 28. August 1982) war ein französischer Zauberkünstler, Mentalist, Sammler historischer Zauberapparate sowie Funktionär innerhalb der französischen Zauberkunstszene der Nachkriegszeit. Er wurde unter dem Künstlernamen Sanas bekannt.

Leben und Wirken

Delcassan erlernte die Zauberkunst bereits in jungen Jahren. Ab etwa 1931 trat er professionell unter dem Künstlernamen Sanas auf. In den 1930er Jahren erlangte er besondere Bekanntheit durch Gedächtnis- und Rechenleistungen, die ihm den Beinamen „der Mann mit dem Stahlgehirn“ einbrachten. Neben klassischen Zauberdarbietungen präsentierte er vor allem mnemotechnische und mentalistische Experimente, darunter eine vielbeachtete Telefonbuchnummer, bei der er scheinbar beliebige Telefonnummern aus umfangreichen Verzeichnissen korrekt nennen konnte. Diese Nummer machte ihn bereits vor 1940 international bekannt und diente später als Grundlage für weiterentwickelte Fassungen, unter anderem in der Kalanag-Show.

Nach dem Zweiten Weltkrieg engagierte sich Sanas stark auf organisatorischer und kulturhistorischer Ebene. Von 1945 bis 1947 war er Präsident des Club des Magiciens Bibliophiles, einer 1937 von Théodore Ruegg gegründeten Vereinigung von Zauberkünstlern, Sammlern und Fachautoren. In dieser Funktion förderte er den Austausch über historische Zauberliteratur, Apparate und Aufführungstraditionen.

Darüber hinaus fungierte Sanas zeitweise als Präsident eines französischen Berufsverbandes der Illusionisten, was er unter anderem zur Gründung einer kurzlebigen „ersten französischen Schule für Prestidigitation“ nutzte. Diese befand sich auf einer von ihm 1954 in Paris eingerichteten Theater-Péniche mit dem Namen „Le chaland des mages“, die jedoch nur vorübergehend bestand.

Sammler und Historiker

Sanas spielte eine bedeutende Rolle als Sammler und zeitweiliger Eigentümer wichtiger historischer Zauberapparate, insbesondere aus dem Umfeld des Théâtre Robert-Houdin. Er erwarb unter anderem:

  • das „Carton fantastique“,
  • die Houlette suspendue aux cartes géantes von Robert-Houdin,
  • sowie drei große Kristall- bzw. Blechgobelets, die zuvor von Jules Legris verwendet worden waren.

1939 tauschte Sanas die Houlette gegen ein seltenes Schachautomaten-Traktat von Charles Gottlieb von Windisch, da er beabsichtigte, eine Replik des Schachtürken von Kempelen öffentlich zu präsentieren. Dieses Projekt blieb jedoch unverwirklicht. Im Jahr 1973 übergab Sanas das Carton fantastique, dessen Illustrationen um 1900 von Georges Méliès erneuert worden waren, an Madeleine Malthête-Méliès, die Enkelin von Georges Méliès, und trug damit zur Rückführung eines zentralen Objekts der französischen Zaubergeschichte bei.

André Declassan wurde 75 Jahre alt.

Quellen

  • Whaley's Encyclopedic Dictionary of Magic, Bart Whaley, Jeff Busby, 1989, Seite 95
  • The Sphinx, 44. Jahrgang, Heft 9, November 1945, Seite 251
  • Petite Histoire de la Magie par Maurice Saltano, 2012, Seite 127
  • Jacques Voignier: The Magic of France, French Laboratories of Legerdemain, um 1995, Seite 23
  • Magie, 65. Jahrgang, Heft 9, September 1985, Seite 288 ff.
  • Robert J. Albo: Classic magic with apparatus, Vol. XI, 2005, Seite 145 und 170